Von Berlin bis Auschwitz – Erinnerungen, die wir nicht vergessen wollen
Am 30.04. besuchte die 98-jährige Zeitzeugin Ruth Winkelman unsere Corrie-ten-Boom-Schule. Nachdem der Darstellendes-Spiel-Kurs ihr das Stück „Ab heute heißt du Sara“ vorspielte, berichtete sie den 9. Klassen von ihren persönlichen Erfahrungen während der NS-Zeit. Frau Winkelman wurde 1928 in Berlin geboren und wuchs in Hohen Neuendorf auf. Anfangs beschreibt sie ihre Kindheit als friedlich, doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich alles um 180 Grad. Die jüdische Schule, die sie seit 1936 besuchte, war vorerst ruhig. Außerhalb der Schule wurden jedoch zunehmend Hassparolen gegen Juden verbreitet. Deshalb durften die Schülerinnen und Schüler die Schule zum Schutz nur noch paarweise verlassen. Besonders bewegend war ihre Erzählung von der Flucht über die Dachböden der Nachbarhäuser, nachdem die Schule verbarrikadiert wurde. Als 1941 während des Krieges alle jüdischen Schulen geschlossen wurden, musste Frau Winkelmann als 13-Jährige Zwangsarbeit leisten, in der sie bis zu 12 Stunden täglich arbeitete, auch nachts. Ihr Vater wurde nach Auschwitz deportiert und starb 1943. Als Berlin nach dem Krieg in Trümmern lag, schaffte sie es trotzdem, ein neues Leben aufzubauen. Der Besuch hat uns gezeigt, dass Erinnerungen nicht verblassen dürfen. Die Erinnerungen wirkten, als kämen sie aus einer fernen, dunklen Welt und standen doch plötzlich mitten im Raum. Für einen Moment wurde spürbar, wie nah Angst oder Ausgrenzungen einem Menschen kommen können. Leise, langsam und unausweichlich.
J. Schindowski, Schülerin, Corrie-ten-Boom-Schule, Prenzlauer Berg